Das DFG-Netzwerk „Verbunden in Gott“
Ausgangslage: Wachsende Bedeutung des Mensch-Tier-Verhältnisses
Seit einigen Jahren rückt das Mensch-Tier-Verhältnis aufgrund von ökologischen Krisen, Artensterben und einer wachsenden Sensibilität für den menschlichen Umgang mit Tieren immer stärker in den Fokus von gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Debatten – und auch in den Theologien wächst die Auseinandersetzung mit tiertheologischen und tierethischen Fragen.
Interreligiöse Perspektive auf Tiertheologie und Tierethik
Das DFG-Netzwerk „Verbunden in Gott“ knüpft an diese Auseinandersetzung in den jüdischen, christlichen und islamischen Theologien an und will die Diskussion aus interreligiöser Perspektive vertiefen. Ausgangspunkt dabei ist die Beobachtung, dass religiöse Lehren, Texte und Narrative eine Ambivalenz bzgl. der Stellung der Tiere in den anthropologisch-kosmologischen Vorstellungen innerhalb der jeweiligen Traditionen aufweisen, die im Spannungsverhältnis zwischen Schutzverantwortung und Nutznießen, zwischen Anerkennung tierlicher Subjektivität und ihrer Objektivierung stehen.
Diesbezügliche Anfragen und Vorwürfe der Mitverantwortung für gegenwärtige Krisen gegenüber religiösen Institutionen in den Geisteswissenschaften machen eine binnenperspektivisch-kritische Bestandsaufnahme und eine ethische Neubestimmung des Mensch-Tier-Verhältnisses besonders relevant. Das Augenmerk liegt hierbei nicht auf einer ontologischen Bestimmung, sondern primär auf der Beziehungshaftigkeit von Gott, Mensch und Tier – ein Versuch, das Mensch-Tier-Verhältnis von einer gemeinsamen Verbundenheit in Gott her zu denken.
Ansatz und Methodik: Komparativ-theologisch und interdisziplinär
Unser Ansatz ist somit komparativ-theologisch und interdisziplinär: Wir möchten die theologischen Traditionen von Gott-Mensch-Tier-Beziehungen in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten vor allem systematisch-theologisch analysieren und eine interreligiös tragfähige tiertheologische Perspektive entwickeln.
Ziele des Netzwerks
Unser Ziel ist es, sowohl Unterschiede als auch Parallelen der theologischen Traditionen zu Gott-Mensch-Tier-Beziehungen zu analysieren und so zur Profilierung tierethischer und tiertheologischer Positionen innerhalb der verschiedenen Theologien beizutragen. Damit soll die Netzwerkarbeit zum einen durch den interreligiösen wissenschaftlichen Austausch die (inter-)religiöse Sprachfähigkeit in tiertheologischen Diskursen stärken, und zum anderen einen theologischen Beitrag zum nicht-theologischen Diskurs der Tierethik und der Human-Animal Studies leisten.
Förderung und Publikation
Das Netzwerk ist an der Universität Münster angesiedelt und läuft in der ersten Förderphase im Zeitraum von 01.10.2025 – 30.09.2028. Die Ergebnisse des Netzwerks werden am Ende des Projekts in einer Publikation in Form eines interreligiösen Handbuchs zur Tiertheologie festgehalten und dem wissenschaftlichen sowie öffentlichen Diskurs zugänglich gemacht.