2. Arbeitstreffen: Fribourg (CH), 18.-19. Februar 2026
Am 18. und 19. Februar 2026 kam das Netzwerk zu seinem zweiten Arbeitstreffen in Fribourg zusammen und beschäftigte sich mit Gewalt- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Menschen und Tieren in den abrahamitischen Religionen. Ziel des Treffens war es, historische und systematisch-theologische Perspektiven auf diese Verhältnisse zusammenzuführen und die Fragestellungen für die weitere gemeinsame Arbeit zu schärfen.
Im Zentrum des Arbeitstreffens stand die Frage, wie religiöse Traditionen Gewaltverhältnisse zwischen Menschen und Tieren deuten, legitimieren und zugleich begrenzen. Es wurde erörtert, wie Tiere in den religiösen Überlieferungen einerseits als gottbezogene und schützenswerte Geschöpfe erscheinen, andererseits aber in Praktiken wie Domestikation, Opfer und Nutzung in asymmetrische Abhängigkeitsverhältnisse eingebunden sind. Dabei wurde besonders deutlich, dass religiöse Quellen ein komplexes Spannungsfeld eröffnen, in dem Schutz, Nutzung und Herrschaft eng miteinander verflochten sind.
Darüber hinaus widmete sich das Treffen den strukturellen Dimensionen von Gewalt und untersuchte die Verflechtung von Gewalt gegenüber Tieren mit sozialen, politischen und ökonomischen Machtverhältnissen. Einen wesentlichen Impuls für die Diskussion dieser Frage gab der Gastvortrag von Prof. Dr. Aaron Gross von der University of San Diego mit seinem Vortrag „From Domination to Objectification: Eating Animals, Structures of Violence, and Abrahamic Ethics“, der eine intersektionale Perspektive auf die Thematik eröffnete. Gross analysierte Tierkonsum als Teil umfassender Gewaltstrukturen und arbeitete heraus, inwiefern Praktiken des Essens von Tieren mit Prozessen der Objektivierung und Entsubjektivierung verbunden sind. Sein Beitrag schärfte den Blick für die strukturellen und ethischen Implikationen dieser Dynamiken im Kontext religiöser Ethiken.
Ein weiterer Höhepunkt des Treffens war der Gastvortrag „Von natürlichen und konstruierten Grenzen der Bedrohung und Abhängigkeit in religionshistorischer Perspektive“ von Prof.in Dr. Silvia Schroer zu Tieren in der Bibel und in der biblischen Umwelt sowie die im Anschluss von ihr geleitete Führung durch das Bibel- und Orientmuseum der Universität Fribourg. Die altägyptischen und altorientalischen Ausstellungsobjekte der Sammlung boten eine anschauliche Ergänzung für die Auseinandersetzung mit religiösen Tierdarstellungen, indem sie die Vielfalt ikonografischer und kulturgeschichtlicher Präsenz von Tieren in religiösen Kontexten vermittelten.
Im Rahmen dieses Arbeitstreffens konnte somit auf der Basis vieler erhellender Vorträge und daran anschließender intensiver Gespräche und Diskussionen ein vielschichtiges und differenziertes Verständnis von Gewalt- und Abhängigkeitsverhältnissen zwischen Menschen und Tieren in den jüdischen, christlichen und islamischen Theologien erarbeitet werden.
Flyer mit Tagungsprogramm
Flyer zum öffentlichen Vortrag von Prof. Dr. Aaron Gross (San Diego)










